Paper: Das papierlose Büro, ein ewiger Zukunftstraum, in: Neue Zürcher Zeitung, 19-Dec-2003, Zürich 2003.

Das papierlose Büro, ein ewiger Zukunftstraum - Kritzeln auf Papier fördert die Konzentration - Das papierlose Büro ist einer der beliebtesten EDV-Standards. Stets lugt es als Versprechen um die Ecke: Nächstes Jahr ist es so weit. Nun zeigt eine Untersuchung, dass der Mensch ohne Papier nicht vernü...

THEMES: Paper\Efficiencies
META STRUCTURES: LN\...\03_Collaborati...
YEAR: 2003
 

Database 'Winfo Foren', View '03 All\by Date (Threaded)', Document 'Das papierlose Büro, ein ewiger Zukunftstraum' Hallo liebe Notebookbesitzer,
folgenden Artikel habe ich gelesen und finde wir sollte das alle davon Erfahren:


Das papierlose Büro, ein ewiger Zukunftstraum
Kritzeln auf Papier fördert die Konzentration

Das papierlose Büro ist einer der beliebtesten EDV-Standards. Stets lugt es als Versprechen um die Ecke: Nächstes Jahr ist es so weit. Nun zeigt eine Untersuchung, dass der Mensch ohne Papier nicht vernünftig arbeiten kann.


Das papierlose Büro ist einer der beliebtesten EDV-Standards. Stets lugt es als Versprechen um die Ecke: Nächstes Jahr ist es so weit. Nun zeigt eine Untersuchung, dass der Mensch ohne Papier nicht vernünftig arbeiten kann.


1982 startete die Reliance Insurance Company in Philadelphia eine umfangreiche Reorganisation. Die gesamte Versicherung sollte auf die Benutzung von Papier verzichten. Notizen sollten nur noch an den Terminals eingetippt und archiviert werden. In den Büros, beim Empfang und selbst in den Besprechungszimmern wurden Transparente aufgehängt: «Paper free in eighty three». Das ambitionierte Projekt scheiterte. 1983 schaffte die Versicherung nicht das Papier ab, sondern kaufte 15 neue Kopierer. 1991 berichtete das «Time Magazine» über die Reorganisation der Versicherung und befragte Experten zum papierlosen Büro. Diese datierten die Ankunft des Wunders auf das Jahr 2003.

Papierfreie Schule
Nun geht 2003 zu Ende, und das papierlose Büro ist nicht in Sicht. Nach einer Recherche von Thomas Landauer, Professor für Arbeitspsychologie, überlebte die wagemutige Versicherung das Experiment um ein Jahr und wurde dann aufgekauft. In seinem 1995 erschienenen «The Trouble with Computers» mokiert sich Landauer über die rückständigen Menschen, die dem Computer nicht trauen und immer wieder zum bedruckten Papier greifen.

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CD-ROM und Obelisken
Als neuester Zugang in der Debatte lässt sich der italienische Schriftsteller und Medientheoretiker Umberto Eco anführen. Anlässlich einer Vortragsreihe zum Bau der neuen Alexandrinischen Bibliothek beschäftigte sich Eco mit den unterschiedlichen Aufzeichnungsformen, die er in pflanzliche und mineralische Klassen aufteilt. Das hauptsächlich aus Holz hergestellte Papier schlägt er dem pflanzlichen Bereich zu, während der Computer zusammen mit den Obelisken und Pyramiden der Pharaonen für Eco zu den mineralischen Aufzeichnungssystemen gehört. Wie Eco in dem von der Wochenzeitung «Al-Ahram» wiedergegebenen Vortrag[2] ausführt, gehört das Exzerpieren oder auch nur das Blättern und Stromern in einer Enzyklopädie zu der menschengerechten Wissensaufnahme.

Das Nachschlagen in einer mineralisierten Encarta-DVD sei dagegen mechanisches Fact- Checking, nützlich, aber nicht nachhaltig, meint Eco, um dann die Brücke zu schlagen: Nur wer Bücher und Papier liebt, könne das Wissen schätzen, das in Computern oder auf Silberscheiben stecke. Solchermassen beruhigt schauen wir gefestigt ins Jahr 2004: Der Knowledge-Worker braucht ein Büro mit Papier, die Schule Bücher, und die Zeitung braucht sowieso jeder.

Detlef Borchers

[1] Abigail J. Sellen, Richard H. R. Harper: The Myth of the Paperless Office, Boston MIT Press 2003.

[2] Umberto Eco: Vegetal and Mineral Memory. The Future of Books. http://weekly.ahram.org.eg/2003/665/bo3.htm.

http://www.nzz.ch/2003/12/19/em/page-article9APY6.html