Wirtschaftsinformatik Universitaet Paderborn - Business Computing University of Paderborn: Positionspapiere Studiengänge Bachelor/Master: VHB, Wirtschaftsinformatik - Universitaet Paderborn, Paderborn 2003.

THEMES: Wirtschaftsinformatik Universitaet Paderborn - Business Computing University of Paderborn\...\B.A. - M.Sc.
YEAR: 2003
 

Comments/attachments: Close
 
Kaiser/Kuepper WiWi
BA-MA Kieser Kuepper.pdf
Ein Konzept zur Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen
an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten


Prof. Dr. Dr. h.c. Alfred Kieser, Universität Mannheim
Prof. Dr. Hans-Ulrich Küpper, Universität München

1. Universitäre Ausbildung in Betriebswirtschaftslehre und Arbeitsmarkt im nationalen und internationalen Kontext

1.1. Betriebswirtschaftliche Ausbildungsgänge in Deutschland

Die Ausbildung in Betriebswirtschaftslehre war an den deutschen Universitäten nach dem 2. Weltkrieg ursprünglich auf 5 bis 6 Semester angelegt. Sie ist erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts auf 8 Semester (einschließlich oder ggf. plus Prüfungssemester) ausgelegt worden. In dieser Zeit wurde sie auch an den meisten Universitäten eingeführt. Zugleich wurden die ursprünglichen Wirtschaftshochschulen wie Mannheim oder Wien durch die Aufnahme nichtwirtschaftswissenschaftlicher Fächer zu Universitäten ausgebaut.

Die Nachfrage nach BWL-Absolventen ist in den Jahren nach 1970 deutlich angestiegen. Dies hat die Einführung eines allgemeinen Numerus Clausus in verschiedenen Phasen nach sich gezogen, wie er seit Mitte der 90er Jahre für ganz Deutschland gültig ist.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit Bundesanstalt für Arbeit: Arbeitsmarkt-Information für qualifizierte Fach- und Führungskräfte, Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftwissenschaftler, Arbeitsmarkt-Information 6/2000, Bonn 2000 gab es im Wintersemester 1998/99 beinahe 242 000 Studierende in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern an den Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen). Diese verteilten sich wie folgt:

Betriebswirtschaftslehre: 57 %
Ökonomie/Wirtschaftswissenschaften: 32 %
Volkswirtschaftslehre: 9 %
Wirtschaftspädagogik: 2%

Die Zahl der Studierenden stabilisierte sich in BWL zwischen 1993 und 1996 bei nicht ganz 138.000 und ging danach leicht zurück. In VWL ist die Entwicklung ebenfalls leicht rückläufig. Die Zahl der Absolventen hat sich in den letzten 12 Jahren in den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen etwa verdoppelt. Für die nächsten Jahre wird mit einer etwa gleichbleibenden Zahl von ca. 26.000 Absolventen pro Jahr gerechnet.

Zu der betriebswirtschaftlichen Ausbildung an Universitäten trat der Ausbau der Fachhochschulen, an denen die BWL zu einem wichtigen und intensiv nachgefragten Studiengang wurde. Nach 1972 wurde zudem mit dem Stuttgarter Abiturientenmodell der VWA in Zusammenarbeit mit mehreren großen Firmen als Keimzelle der Berufsakademie eine weitere Ausbildungsform in diesem Feld geschaffen, die ursprünglich ausdrücklich als Alternative zum Universitätsstudium angelegt war. Durch den Aufbau der Berufsakademie in Baden-Württemberg und ihre – zum Teil modifizierte – Übernahme in anderen Bundesländern entstand eine dritte Institution für ein betriebswirtschaftliches Studium, die einen wesentlichen Anteil der BWL-Ausbildung übernahm. Zum Beispiel verteilen sich die BWL-Absolventen in Baden-Württemberg im Jahr 1999 wie folgt:

Universitätsabsolventen: 535 (=12%)
Fachhochschulabsolventen: 1.510 (=34%)
Berufsakademieabsolventen: 2.401 (=54%)

Als weiteres Modell können die integrierten Studiengänge an den Gesamthochschulen genannt werden. Dabei hat sich gezeigt, dass die kürzeren D1-Studiengänge gegenüber dem normalen universitären Studiengang einen wesentlich geringeren Zuspruch erhielten. Einerseits wählten die Studierenden in hohem Maße den längeren Studiengang oder wechselten in diesen über. Andererseits war ein Bestreben der Fachhochschullehrer bzw. B-Professoren an Gesamthochschulen zu erkennen, nach Möglichkeit im universitären Studiengang tätig zu sein und den kürzeren Studiengang nicht besonders zu fördern.

Wesentliche Unterschiede zwischen dem BWL-Studium an Universitäten und dem BWL-Studium an Fachhochschulen sowie Berufsakademien betreffen

  • die stärkere Theorieorientierung an Universitäten,
  • den stärkeren Praxisbezug an Fachhochschulen und Berufsakademien, der in den Praxissemestern bzw. den Praxismonaten am sichtbarsten zum Ausdruck kommt,
  • die Voraussetzung wissenschaftlicher Qualifikation durch Habilitation bzw. entsprechende Leistungen für Universitätslehrer und einer mehrjährigen Praxistätigkeit für Fachhochschullehrer;
  • die deutlich höhere faktische Studiendauer an Universitäten,
  • völlig unterschiedliche CNW-Werte mit den daraus folgenden Betreuungsrelationen, die an den Universitäten zumindest im Grundstudium zu Massenveranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern führen und eine individuelle Betreuung ausschließen.

1.2. Situation der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt

Trotz eines intensiven Ausbaus des Faches Betriebswirtschaftslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien treffen seine Absolventen im Unterschied zu vielen anderen Fächern bis heute auf relativ gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Gegenwärtig sind in Deutschland rund 555.000 Wirtschaftswissenschaftler (ohne Wirtschaftspädagogen) erwerbstätig Bundesanstalt für Arbeit, a.a.O., S. 11 ff.. Davon sind 432.000 Betriebswirte, die sich fast gleich stark (215.000 zu 217.000) in Universitäts- und Fachhochschulabsolventen aufteilen.

Obwohl viele jüngere Wirtschaftswissenschaftler im Berufsleben stehen und daher aus Altersgründen ein geringer Ersatzbedarf besteht, schätzt die Bundesanstalt für Arbeit die Beschäftigungschancen für Wirtschaftswissenschaftler weiter gut ein. So sind in den vergangenen Jahren deutlich mehr Stellen für diese auf den Markt gekommen. Der Bestand an offenen Stellen hat für Wirtschaftswissenschaftler 1997 um 40 %, 1998 um 25 % und 1999 um 6 % zugenommen, während die Bewerberzahl zurückging. Nach Auffassung der Bundesanstalt Ebd., S. 11. ist der Schluss begründet, „dass sich der Arbeitsmarkt aus der Sicht von Wirtschaftsakademikern derzeit und in naher Zukunft weiter positiv entwickeln wird.“ Sie spricht von einem Arbeitsmarkt im Aufwind. Von ihr wird das BWL-Studium an Universitäten und Fachhochschulen als "eine der akademischen Ausbildungen angesehen, die vielfältigste berufliche Möglichkeiten eröffnet“. Ebd., S. 12. Volkswirte mit betriebswirtschaftlichen Studienschwerpunkten haben ebenfalls recht gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ebd., S. 22.

Dies spricht für eine grundsätzliche Akzeptanz der Studiengänge am Arbeitsmarkt. Dabei spielt jedoch mit, dass die Anforderungen an kaufmännische Arbeitsplätze in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen sind und heute diplomierte Absolventen auch Arbeitsplätze einnehmen, für die früher eine einfachere kaufmännische Ausbildung ausreichte. Ihr Tätigkeitsgebiet hat sich „zunehmend auch auf Fachaufgaben außerhalb der Führungsebene ausgeweitet“ Ebd., S. 12.. Dementsprechend kommt es, auch in mittelständischen Unternehmen, zu einer Veränderung der Qualifikationsanforderungen an das Personal, indem bisher von Praktikern wahrgenommene Aufgaben auf Akademiker übertragen werden.

1.3. Vergleich der Akzeptanz von Fachhochschul- und Universitätsabsolventen auf dem Arbeitsmarkt

Aus der Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt kann jedoch nicht unmittelbar auf die spezifische Attraktivität des Universitätsdiploms geschlossen werden. Vielmehr ist zu beobachten, dass in der Praxis in hohem Maße die Absolventen von Universitäten mit denjenigen von Fachhochschulen und Berufsakademien konkurrieren. Wegen ihrer unmittelbaren Einsetzbarkeit in der Praxis, ihren im Studium geschaffenen Beziehungen zur Praxis und der daraus folgenden individuellen Bekanntheit bei einzelnen Firmen gibt es zahlreiche Fälle, in denen Fachhochschul- bzw. Berufsakademie-Absolventen den Universitätsabsolventen vorgezogen werden. Deshalb ist der Schluss irreführend, dass in der Praxis ein überwiegender Bedarf auf Universitätsabsolventen mit einem mindestens 8-semesterigen Studium gerichtet wäre.

Die Bundesanstalt für Arbeit unterscheidet in den oben zitierten Daten nicht zwischen dem Hochschultyp. Sie weist darauf hin, dass sich „beim Vergleich zwischen Diplom-Kaufleuten (Universitätsabschluss) und Diplom-Betriebswirten (Fachhochschulabschluss) im Hinblick auf ihren Brancheneinsatz ... neben zunehmenden Parallelen auch einige Unterschiede“ ergeben Ebd., S. 15.. So sind Kredit- und Versicherungswirtschaft und die Gebietskörperschaften bevorzugte Berufsfelder für Fachhochschulabsolventen, während Universitätsabsolventen in der Rechts- und Wirtschaftsberatung bzw. -prüfung sowie im Handel einen Vorsprung haben. Die Bundesanstalt meint aber, dass sich diese Einschätzung durch erweiterte Studienangebote und andere Abschlüsse ändern kann. Hinsichtlich der funktionalen Schwerpunkte verwischen die Grenzen zunehmend, nur in den Bereichen Finanz- und Rechnungswesen sowie Interne Revision überwiegen Fachhochschulabsolventen.

In Bezug auf die Arbeitslosigkeit hat sich das Fachhochschulstudium als resistenter erwiesen. „Von 1993 bis 1997 verlief .. der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Betriebswirten mit Fachhochschulausbildung relativ moderat, während er bei Volks- und Betriebswirten mit Universitätsausbildung deutlich intensiver war“ Ebd., S. 25..

Beim Vergleich der Chancen von Fachhochschul- und Universitätsabsolventen in Wirtschaftswissenschaften kommt die Bundesanstalt für Arbeit zu folgendem Schluss: „Die Frage nach dem jeweiligen Hochschultyp stellt sich vor allem für Betriebswirte. Im Verlauf der letzten Jahre hat sich allerdings herausgestellt, dass die angestrebten Positionen besonders für Berufsanfänger zunehmend für beide Abschlussarten ausgeschrieben wurden. Es gibt allerdings Hinweise, dass Universitätsabsolventen in den oberen Managementpositionen, insbesondere in Großbetrieben, häufiger anzutreffen sind als Fachhochschulabsolventen.“ Ebd., S. 30.

Diese Analyse bestätigt damit die Hypothese, dass die guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht auf das formal 8-, in Wirklichkeit durchschnittlich fast 12-semestrige Universitätsstudium beschränkt sind. Sie gibt vielmehr deutliche Hinweise, dass Absolventen eines 6-semestrigen Universitätsstudiums in BWL gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt besitzen und diesem bei entsprechender Ausgestaltung des Bachelor-Studiums (bei entsprechender Einsparung der Kosten für erhöhte Studienzeiten für Studierende und Hochschulträger) in der Breite besser für den Arbeitsmarkt geeignet sind. In der Praxis besteht zuerst ein Bedarf an Absolventen, die eine fundierte Ausbildung in Allgemeiner Betriebswirtschaftslehre besitzen und in vielen Feldern einsetzbar sind. Eine weitergehende Spezialisierung erfolgt dann erst im Rahmen ihrer Entwicklung in der Praxis. Durch eine Ausbildung mit gutem theoretischem und methodischem Fundament wird hierfür die Basis gelegt. Zudem mahnt die Wirtschaft seit langem an, dass die Hochschulabsolventen in zu hohem Alter in die Praxis kommen. Die Absolventen eines universitären Bachelorstudiums würden dann in früheren Jahren auf den Arbeitsmarkt gelangen als Fachhochschulabsolventen mit einer achtsemestrigen Ausbildung. Auch die breite theoretische Fundierung und die kurze Studiendauer eines universitären Bachelorstudiums würden diesen Absolventen Vorteile gegenüber Fachhochschulabsolventen mit achtsemestrigem Studium auf dem Arbeitsmarkt verschaffen. Aus all diesen Gesichtspunkten ergibt sich, dass die Absolventen eines universitären Bachelorstudiums in BWL mit guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt rechnen können.

Die Absolventen von Fachhochschulen werden häufig pauschal als stärker "praxisorientiert" charakterisiert und die Absolventen von Universitäten als stärker "theorieorientiert", wobei ein Gegensatz zwischen Theorie- und Praxisorientierung impliziert wird. Kritiker einer Einführung von BA-Studiengängen an Universitäten schließen aus einer solchen Positionierung von Studiengängen an Fachhochschulen und Universitäten auf schlechtere Chancen von universitären BA- Absolventen auf dem Arbeitsmarkt. Unseres Erachtens gibt es einen solchen Konflikt zwischen Theorie- und Praxisorientierung nicht. Im Grunde ist nichts so praktisch wie eine gute Theorie. Wer nur "best practices" (ein Schlagwort, das Unternehmensberater gerne verwenden) gelernt hat, ist oft ziemlich ratlos, wenn er sich neuen Bedingungen gegenüber sieht, in denen die alten Praktiken nicht mehr funktionieren. Wer geeignete Theorien beherrscht, ist in solchen Situationen meist in der Lage, neue Lösungen zu generieren. Selbstverständlich ist bei der Vermittlung von Theorien immer auch deren Anwendung in der Praxis mit zu behandeln. Es wird eine wichtige Aufgabe der Universitäten sein, dem Vorurteil, dass Theorieorientierung mit Praxisferne gleichzusetzen sei, wirksam gegenüber zu treten.

Die Chancen der Absolventen von universitären BA-Studiengängen auf dem Arbeitsmarkt hängen auch davon ab, dass eine deutliche Schwelle zum Masterstudium besteht und nicht – wie in den bisherigen Kurzstudiengängen z.B. an den Gesamthochschulen sowie der Universität Augsburg – ohne entsprechende Qualifikationsanforderungen - nach wenigen weiteren Semestern ein volles Diplom erworben werden kann. Die Praxis hat auch Bedarf an hochqualifizierten Absolventen mit einer vertieft wissenschaftlichen und spezialisierten Ausbildung, wie sie in MA-Studiengängen erbracht werden kann. Dieser hat jedoch nicht den Umfang wie der Bedarf an Bachelor-Absolventen. Die Ausbildung in MA-Studiengängen zielt insbesondere auf die oberen Führungs- und Managementpositionen, freie Berufe sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Hochschulen und der Wirtschaft.

1.4. Probleme der betriebswirtschaftlichen Ausbildung an Hochschulen

Die Praxis übt schon seit längerer Zeit heftig Kritik an der betriebswirtschaftlichen Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen. Insbesondere kritisiert sie: z. B. Konegen-Grenier, Ch.;List, J.: Die Anforderungen der Wirtschaft an das BWL-Studium. Ergebnisse einer Unternehmensbefragung. Beiträge zur Gesellschafts- und Bildungspolitik, Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln, Bd. 188, 1993.

  • dass die effektiven Studienzeiten zu lang und, als Folge davon, die Absolventen zu alt seien;
  • dass Schlüsselqualifikationen nicht in ausreichendem Maße vermittelt würden und
  • dass der Praxisbezug des Studiums nicht ausreichend sei.

Im Vergleich der BWL-Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen heben die Praktiker den stärkeren Praxisbezug von FH-Absolventen lobend hervor, kritisieren aber deren theoretisch-analytischen Defizite. Bei den Absolventen von Universitäten ist es gerade umgekehrt: Deren Stärken werden im theoretisch-analytischen Denkvermögen gesehen, ihre Schwächen im noch weniger stark ausgeprägten Praxisbezug.

Kritik an der universitären Ausbildung wird jedoch nicht nur von Praktikern, sie wird auch von Studierenden geübt. Die Studierenden geben dem Studium z.T. relativ schlechte Noten. Eine Auswertung des CHE Die Daten wurden der Erhebung von Stiftung Warentest und CHE entnommen, deren wichtigste Ergebnisse in Stern Spezial Campus und Karriere 2001, S. 104 ff. erneut veröffentlicht wurden. Vgl. Stiftung Warentest, test, spezial, Mai 1998. (Abb. 1) deutet darauf hin, dass das Studierendenurteil mit der Betreuungsrelation (Studierende pro Professor) zusammen hängt.


Abb. 1: Korrelation zwischen Betreuungsrelation und Studierendenurteil

Darüber hinaus befindet sich das Beschäftigungssystem derzeit in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess, der ebenfalls Anlass gibt, über die Angemessenheit der derzeitigen betriebswirtschaftlichen Studiengänge nachzudenken. Als Ursachen dieses Wandels sind v.a. die folgenden Faktoren auszumachen:
  • der sich beschleunigende technische Fortschritt (z.B. Informationstechnik, Bio- und Gentechnik),
  • die abnehmende "Halbwertzeit des Wissens" ("Wissensexplosion"),
  • die Globalisierung der Wirtschaft,
  • gravierende Änderungen der Beschäftigungsverhältnisse und die zunehmende Bedeutung der Eigeninitiative der Beschäftigten bzw. der nach einer Beschäftigung Suchenden zur Weiterbildung.

Die Wissensexplosion hat zur Folge, dass der Weiterbildungsbedarf von Beschäftigten und von nach Beschäftigung Suchenden zunimmt. Zu dem steigenden Weiterbildungsbedarf trägt auch bei, dass sich Beschäftigungsverhältnisse gravierend ändern. Personalabbau und Outsourcing-Programme erhöhen das Beschäftigungsrisiko, nicht nur für gering Qualifizierte, und bedingen eine höhere Bereitschaft der Beschäftigten, sich auf neue Aufgaben einzustellen. Nicht nur zu der von den jeweiligen Arbeitgebern geforderten Weiterbildung müssen die Beschäftigten bereit sein, sie müssen sich durch eigeninitiative Weiterbildung Entwicklungsmöglichkeiten im jeweiligen Unternehmen, aber auch über dessen Grenzen hinaus erschließen. Die zunehmende Dezentralisierung, die Forcierung des "internen Unternehmertums", verbreitert die Aufgabenspektren bei deutlich höherer Verantwortung. Insbesondere für Führungskräfte bedeutet dies, dass sie sich auf häufige Wechsel ihrer Aufgaben, sei es in Form anspruchsvoller Projekte oder als Folge der Versetzung in andere Bereiche, einstellen müssen.

Auf die Globalisierung sind die Absolventen traditioneller betriebswirtschaftlicher Studiengänge schlecht vorbereitet. Diese Abschlüsse (Diplome) sind international nicht kompatibel. Und weil sie nicht kompatibel sind, tauchen deutsche universitäre Studiengänge der BWL in keinem internationalen Ranking auf.

Wenn Ausländer darüber hinaus die universitäre Ausbildung in Deutschland einer näheren Überprüfung unterziehen, sind sie in aller Regel entsetzt über die schlechten Studienbedingungen (bis zu 1.000 Studierende in Vorlesungen des Grundstudiums) und über die langen Studienzeiten. So ist in einem Artikel des höchst einflussreichen Wallstreet Journal vom 26.2.2001 u.a. zu lesen:

"Only 16% of Germans had finished an university degree in 1998, compared with 33% of Americans and 35% of Britons, according to the Organization for Economic Corporation and Development. Those who finish a German college degree, the equivalent of a master's in the U.S., average 28 years of age. Many are older. There is almost no private spending on education, and the German government spends less per capital than those of other industrialized countries do. University budgets and curricula are subject to strict state regulation. Universities can't pick their students and students can't pick their universities. Slots are centrally allocated. Some fields require good high-school grades, but most have few entry criteria. And among those who pursue post-graduate work, many leave. Germany has lost roughly 14% of its Ph.D.-holders to the U.S. The U.S., in contrast, is importing post-docs; more than 50% are foreigners."

Die mangelhafte Kompatibilität der deutschen betriebswirtschaftlichen Diplomstudiengänge mit internationalen Studiengängen verhindert in vielen Fällen ein Studium deutscher Studierenden im Ausland und ein Studium von Ausländern an deutschen Universitäten. Ohne einen Abschluss, der einem BA-Abschluss vergleichbar ist, haben bspw. deutsche Austausch-Studierende Schwierigkeiten, Kurse in MBA-Studiengängen an US-Universitäten zu belegen. Potenzielle ausländische Studienbewerber bekommen an deutschen Universitäten nur wenige BWL-Abschlüsse geboten, die eine anerkannte internationale Geltung besitzen. Allerdings: Es wäre falsch, das mangelnde Interesse von Ausländern an einem BWL-Studium in Deutschland ausschließlich auf die Inkompatibilität der Abschlüsse zurückzuführen. Die schlechten Studienbedingungen haben einen mindestens ebenso großen Anteil an der mangelnden Nachfrage aus dem Ausland.

Weil deutsche BWL-Studiengänge nicht in internationalen Rankings auftauchen, rekrutieren internationale Konzerne ihren Führungsnachwuchs nicht unter Absolventen deutscher Hochschulen. Auch gehen internationale Konzerne mit Stammsitz in Deutschland mehr und mehr dazu über, ihren Führungsnachwuchs unter den Absolventen hochrangiger ausländischer, insbesondere amerikanischer Business Schools auszusuchen. Vgl. z.B. Henzler, Herbert, in: Manager Magazin 6/97, S. 222. Ausschlaggebend dafür ist, dass auch sie wegen der Studienbedingungen in Deutschland – viel zu große Vorlesungen, keine Auswahl der Bewerber durch die Universität usw. – die Absolventen von hochrangigen Business Schools als höher qualifiziert einschätzen.

2. Prinzipien für BA- und MA-Studiengänge


Aus den oben durchgeführten Analysen und Überlegungen ergibt sich eine Reihe von Prinzipien, nach denen betriebswirtschaftliche BA- und MA-Studiengänge an Universitäten gestaltet werden sollten. Das Ausbildungsziel des universitären Bachelorstudiums besteht darin, ein gutes Fundament in Betriebswirtschaftslehre zu legen, das auf wissenschaftlicher Grundlage inhaltliche, methodische sowie Schlüsselqualifikationen umfasst und zum Einsatz in betriebswirtschaftlichen Funktionen in der privaten sowie öffentlichen Praxis befähigt. Demgegenüber sollen universitäre MA-Studiengänge hochqualifizierten BA-Absolventen eine wissenschaftliche Vertiefung sowie eine Spezialisierung in mehreren betriebswirtschaftlichen Fächern bieten, wodurch sie die Ausbildungsvoraussetzungen erlangen, um in die oberen Positionen von Wirtschaft, Wissenschaft sowie öffentlicher Verwaltung zu kommen.

Die wichtigsten Prinzipien für ein konsekutives Studium in der Betriebswirtschaftslehre lassen sich wie folgt thesenartig zusammenfassen:

(1) Kernqualifikationen der Studiengänge

BA- und MA-Studiengänge sollten auch in Zukunft betriebswirtschaftliche Kernqualifikationen vermitteln. Diese konzentrieren sich auf wirtschaftswissenschaftliche

- Inhalte,
- Theorie,
- Methoden und
- Instrumente.

Zu ihnen kommt eine explizite Einbeziehung von Schlüsselqualifikationen. In einer neueren Veröffentlichung Evers, F.T.; Rush, James C.; Berdrow, Iris: The Bases of Competence: Skills for Lifelong Learning and Empoyability. San Francisco, CA, 1998; S. 5. werden als Schlüsselqualifikationen herausgearbeitet:
(1) Selbstmanagement: die Fähigkeit, Praktiken entwickeln und Routinen internalisieren zu können, mit deren Hilfe Individuen in den Stand gesetzt werden, den Unwägbarkeiten einer sich ständig wandelnden Umwelt konstruktiv zu begegnen.
(2) Kommunikation: die Fähigkeit, in der Interaktion mit unterschiedlichen Menschen und Gruppen Informationen effektiv zu sammeln, zu integrieren und zu vermitteln.
(3) Das Managen von Personen und Aufgaben: die Fähigkeit, Planung, Organisation und Improvisation zur effektiven und effizienten Erledigung komplexer Aufgaben in Gruppen und Institutionen einzusetzen.
(4) Innovation und Veränderung: die Fähigkeit, signifikante Verbesserungen vom Status quo zu konzipieren und in Gang zu bringen.

Einig sind sich Didaktik-Experten darüber, dass Schlüsselqualifikationen nicht in spezifischen Veranstaltungen vermittelt werden sollten, sondern in die Vermittlung von Fachwissen zu integrieren ist: Ebd., S. 7.

"Colleges typically do not run courses in time management and other Managing Self Skills, nor do they teach oral and written communication skills. What has happened is that the learning environment promotes and rewards these skills. Students who stay in college and get good grades learn how to get things done, how to balance their activities to get their assignments completed, how to study, and how to communicate."

Die Experten sind sich auch darüber einig, dass die große Vorlesung nur sehr begrenzt dazu dienen kann, Schlüsselqualifikationen zu vermitteln. Besser geeignet sind Übungen und seminaristische Veranstaltungen.

Die Kernqualifikationen betreffen die zentralen Fächer eines BWL-Studiums: BWL, VWL, Recht und Statistik, wobei die BWL das Hauptgewicht einnimmt und Bezüge zu anderen universitären (Pflichtwahl-)Fächern hergestellt werden.

In Bezug auf diese Kernqualifikationen sollte zumindest im BA-Studium eine gewisse Einheitlichkeit erhalten bleiben. Das Masterstudium wird dagegen eine Vertiefung in unterschiedlichen Bereichen ermöglichen und kann deshalb differenziert aufgebaut sein. Um Profilierung und Wettbewerb zwischen diversen Studiengängen zu ermöglichen, sollte die Einheitlichkeit nicht so weit gehen sollte, wie sie mit den allgemeinen Bestimmungen für den Diplomstudiengang BWL angestrebt und erreicht war.

Dabei besteht das Ziel eines Bachelorstudiengangs darin, die wissenschaftliche Qualifikation in einem Gebiet, der Betriebswirtschaftslehre, zu erwerben. Bei der Kürze des Studiums und angesichts des Bedarfs der Praxis sollte die Ausbildung innerhalb dieses Gebiets eher breit angelegt sein und damit zum Generalisten führen, dessen Spezialisierung der Praxis vorbehalten bleibt.

Die Inhalte eines universitären BA-Studiums dürften sich nicht radikal von denen in einem traditionellen Studiengang zum Diplomkaufmann unterscheiden. Es gibt einen Katalog von Theorien, Methoden und Instrumenten der BWL, der unverzichtbar ist, deshalb etwa auch in BA-Studiengängen in den USA und in Großbritannien vermittelt wird und der selbstverständlich auch Gegenstand der Ausbildung zum Diplomkaufmann ist.

Das Masterstudium ist gegenüber dem BA-Studium durch wissenschaftliche Vertiefung und inhaltliche Spezialisierung gekennzeichnet. Das stärkere Eindringen in wissenschaftliche Analysen und Methoden vollzieht sich an bestimmten, vom Studierenden zu wählenden speziellen Betriebswirtschaftslehren mit stärkerer internationaler Orientierung.

(2) Spezifische Theorie- und Wissenschaftsorientierung mit Ausrichtung auf die betriebswirtschaftlichen Anwendungsfelder

Aus diesem Grundsatz ergibt sich die explizite Abhebung gegenüber den BA- und MA-Studiengängen an Fachhochschulen und den Berufsakademien. Sie liegt in der wissenschaftlichen Ausrichtung des universitären Studiums, die sich in einer theoretischen Fundierung der Vermittlung von Inhalten, Methoden und Instrumenten zeigt. Bei der Vermittlung der universitären BA- und MA-Studiengängen wird v.a. zu kommunizieren sein, dass Theorieorientierung auf keinen Fall gleichbedeutend mit Praxisferne ist. Eine fundierte theoretische Ausbildung vermittelt die Fähigkeit zur Analyse sich ändernder Problemfelder und zur Entwicklung innovativer Lösungen, während eine "praxisnahe" Ausbildung in erster Linie erprobte praktische Lösungen (sog. "best practices") vermittelt, die bei sich ändernden Bedingungen leicht ihre Gültigkeit verlieren.

(3) Profilierung der einzelnen Hochschulen und Fakultäten

Die Hochschulen und Fakultäten sollen in wesentlich stärkerem Maße als bisher die Möglichkeit erhalten, auch in der inhaltlichen und strukturellen Ausgestaltung des Studiengangs ein eigenes Profil zu entwickeln und sich damit dem Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zu stellen. Dies betrifft inhaltlich insbesondere

- den über die Kernfunktionen hinausgehenden Fächerkanon,
- die im BA- und MA-Studium eingesetzten didaktischen Methoden (Vorlesungen, Übungen, Seminare, Fallstudien, Planspiele usw.) sowie
- den Anteil an fremdsprachigen Veranstaltungen.

Strukturell bezieht es sich vor allem auf

- Eignungsprüfungen und die Auswahl der Studierenden,
- die Modularisierung des Studiums,
- die Ausgestaltung des studienbegleitenden Prüfungssystems,
- den Einbau von Studienzeiten an ausländischen Universitäten und
- den Einbau von Praktika.

Ein entscheidender Vorteil konsekutiver Studiengänge liegt gerade darin, dass die unterschiedlichsten Spezialisierungen innerhalb der BWL auf das generalistische BA-Studium aufgesetzt werden können. So gibt es in den USA bspw. MBA-Studiengänge für Krankenhaus- oder Transportmanagement. Absolventen von BA-Studiengängen in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften können in einem MBA-Studiengang eine betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikation erwerben. Der Wettbewerb zwischen Business Schools ist vor allem auch ein Wettbewerb um die Konzeption von MBA-Studiengängen, die auf rege Nachfrage aus der Praxis treffen.

(4) Eignungsprüfungen und Auswahl der Studierenden

Eignungsprüfungen und Auswahl der Studierenden sind für das MA-Studium unerlässlich. Sie bieten die Basis, um den jeweiligen MA-Studiengang spezifisch auszurichten und Aufnahmekriterien festzulegen, wie sie in internationalen MA-Studiengängen üblich sind.

Auch bei den BA-Studiengängen tragen Eingangsprüfungen und Auswahl der Studierenden zu einer intensiveren Beschäftigung von Bewerbern und Fakultäten mit der Entscheidung über die Studienplatzauswahl sowie -vergabe bei. Dies spricht dafür, sie auch schon bei diesem Studiengang anzuwenden. Dabei können unterschiedliche Verfahren zur Anwendung kommen, z.B. die Abiturnote, Auswahlgespräche, Eingangstest u.a.

(5) Qualitätssicherung über ein breites Bewertungs-Instrumentarium

Die Qualitätssicherung ist in Zukunft durch ein vielfältiges Instrumentarium zu erreichen. Hierzu zählen insbesondere

- die Aufnahme der Absolventen am Arbeitsmarkt, die über Alumnibefragungen u.a. zu ermitteln ist,
- transparente (Vergleich der) Bewerberquoten um die Studienplätze,
- nationale und internationale Akkreditierung (ein Wettbewerb um möglichst hochwertige internationale Akkreditierungen sollte ermöglicht werden),
- fächerbezogene Evaluationen sowie
- Rankings.

(6) Internationale Komponenten der Studiengänge

Die BA- und MA-Studiengänge sollen internationale Anteile umfassen. Dazu gehören

- Lehrveranstaltungen in Englisch (und ggf. anderen Sprachen),
- Studienaufenthalte im Ausland sowie
- stärkere Beteiligung ausländischer Studierender.

(7) Nationale und internationale Möglichkeiten des Studienplatzwechsels

Die Profilierung der jeweiligen Studiengänge beeinträchtigt unvermeidlich die Möglichkeiten eines Studienplatzwechsels. Dafür wird ein Wechsel nach Abschluss des BA-Studiums grundsätzlich möglich (und erwünscht), indem die Aufnahmebedingungen für die MA-Studiengänge ggf. im Hinblick auf Bewerber aus nicht betriebwirtschaftlichen Studiengängen, mit entsprechender Praxiserfahrung sowie aus dem Ausland erweitert werden.

Ein Studienplatzwechsel während des MA-Studiums erscheint bei dessen kurzer Dauer und ggf. spezifischer Ausrichtung nicht zweckmäßig.

Dagegen erscheint es sinnvoll, das BA-Studium so zu strukturieren, dass nach dessen Grundstudium eine Wechsel grundsätzlich (mit begrenztem Zeitaufwand) an der aufnehmenden Fakultät möglich wird. Dem können

- eine gewisse Einheitlichkeit hinsichtlich der Kernfunktionen,
- das System studienbegleitender Prüfungen und
- die Anwendung des ETCS-Systems dienen.

(8) Zielsetzungen der Studiengänge und Verteilung der Studierenden

Mit dem BA-Studium soll der breite Bedarf der Praxis abgedeckt werden. Im Unterschied zum bisherigen Diplomstudium erhalten dabei Schlüsselqualifikationen und internationale Vergleichbarkeit ein deutlich höheres Gewicht. Dies erfordert eine erkennbare Verbesserung der Betreuungsrelationen.

Das MA-Studium stellt deutlich höhere Anforderungen und ist auf die Besetzung künftiger Spitzenpositionen in Praxis und Wissenschaft gerichtet. Dies erfordert eine noch wesentlich intensivere Betreuung im MA-Studium mit entsprechenden Relationen zwischen Lehrpersonal und Studierenden. Daraus folgt das unumgängliche Erfordernis, zumindest im MA-Studiengang völlig andere Betreuungsrelationen zu erreichen, wie sie gegenwärtig im betriebswirtschaftlichen Hauptstudium an Universitäten bestehen. Diese Relationen sollten denen an besseren Forschungsuniversitäten (Research Universities) entsprechen. Erst damit wird es möglich, auf Veranstaltungstypen und Lehrformen (Übungen, Seminare, Fallstudien, Kolloquien u.ä. mit laufender Lernkontrolle) überzugehen, wie sie einer Spitzenausbildung angemessen sind.

Dem entsprechen die höheren Anforderungen an die im MA-Studium aufzunehmenden Studierenden. Die Eignungsprüfungen und Auswahlverfahren sind so auszugestalten, dass die Studierenden eine hohe Chance zur Bewältigung des Studiums besitzen und die Abbrecherquoten deutlich gegenüber dem Diplomstudiengang absinken.

Beide Erfordernisse laufen im Ergebnis darauf hinaus, dass ca. 20 % der Absolventen des universitären BA-Studiums die Zulassung zu einem MA-Studium erreichen können. Eine in diese Richtung gehende Aufteilung wird durch die Analyse der Erfordernisse des Arbeitsmarktes in Abschnitt 1. voll gestützt. Diese Relation kann aber auch je nach Gestaltung des jeweiligen MA-Studiengangs und Orientierung der jeweiligen Universität sowie Fakultät unterschiedlich ausgeprägt sowie entsprechend der Erfahrungen angepasst werden.

(9) Stärkung der Wettbewerbskomponenten zwischen den Hochschulen und Fakultäten

Durch die hochschul- und fakultätsbezogene Profilierung der Studiengänge und die Eignungsprüfungen werden die Wettbewerbskomponenten deutlich erhöht. Diese tragen zu einer besseren Fokussierung der Studiengänge und der Leistungsorientierung bei.

3. Der Aufbau von BA- und MA-Studiengängen

3.1. BA-Studiengänge

Das BA-Studium sollte mit einem dreisemestrigen Grundstudium beginnen, wie es sich im Rahmen des Diplomstudiums an einzelnen deutschen Universitäten schon bewährt hat. Darauf sollte dann ein ebenfalls dreisemestriges Hauptstudium folgen.

(1) Grundstudium
Das Grundstudium umfasst als Propädeutika Veranstaltungen und Prüfungen in

  • Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler,
  • Einführung in die Technik des betrieblichen Rechnungswesens (Buchhaltung) sowie
  • Informationswirtschaft (EDV).

Die wichtigsten Lehr- und Prüfungsfächer des Grundstudiums sind:
  • Grundzüge der BWL (z.B. mit Grundlagen, Produktion und Organisation, Unternehmensführung und Marketing sowie Internem und Externen Rechnungswesen),
  • Grundzüge der VWL,
  • Rechtswissenschaft und
  • Statistik.
SWS
Mathematik für WiWi3
Technik bw Rechnungsw.4
EDV4
Grundzüge BWL20
Grundzüge VWL12
Recht5
Statistik8
Summe:56

(2) Hauptstudium
Das Hauptstudium sollte sich v.a. auf die Fächer Allgemeine BWL und Allgemeine VWL konzentrieren. Spezielle BWL sowie ein Pflichtwahlfach wie Recht, Statistik, Informatik, Organisations- und Wirtschaftspsychologie könnten hinzutreten. Allgemeine BWL und Allgemeine VWL könnten mit jeweils 12 SWS für Vorlesungen, Übungen und Proseminare angesetzt werden. Dazu könnte je ein Haupt-Seminar kommen. An die Stelle der Diplomarbeit könnten je eine umfangreichere Seminararbeit in diesen beiden Seminaren treten. Für diese beiden Seminare könnten jeweils 6 SWS angesetzt werden.

Zusätzlich zu dem BWL-Seminar könnten ein (praxisorientiertes) Fallstudienseminar und/oder ein Unternehmensplanspiel vorgesehen werden. Ein wesentlicher Teil der Pro-, Haupt- und Fallstudienseminare sowie der Übungen sind explizit so zu gestalten, dass in ihnen Schlüsselqualifikationen wie Team- und Projektarbeit, Präsentationstechniken u.a. vermittelt werden.

Das dritte Fach, z.B. eine Spezielle BWL oder Grundlagenveranstaltungen aus verschiedenen Speziellen BWLn könnte ebenfalls mit 12 SWS angesetzt werden.

Die Prüfung muss studienbegleitend nach dem Credit Point-System erfolgen. Sie könnte zusätzlich je eine mündliche Prüfung in ABWL und AVWL (oder nur ABWL) einschließen. Insgesamt könnte sie beispielhaft folgende Leistungspunkte umfassen:

SWS
ABWL12
Seminar ABWL mit Schlüsselqualifikationen 6
AVWL12
Seminar AVWL mit Schlüsselqualifikationen 6
Fallstudienseminar mit Schlüsselqualifikationen 4
SBWL mit Schlüsselqualifikationen12
Summe60


Varianten des BA-Studiengangs könnten darin bestehen, auf Kosten des Umfangs der VWL (signifikante Bestandteile von VWL sollten beibehalten werden, weil die volkswirtschaftliche Fundierung eine besondere Stärke der betriebswirtschaftlichen Ausbildung in Deutschland darstellt) die Spezielle BWL auszuweiten.

An die Stelle der beiden Seminararbeiten könnte auch ein Projekt treten, in dem ein umfassenderes praktisches Problem in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Unternehmen unter wissenschaftlicher Leitung bearbeitet wird. Ferner könnte eine Bachelor-Arbeit (-Thesis) zu erstellen sein.

3.2. Master-Studiengänge

Ein Master-Studiengang sollte als zentrale Elemente

  • wissenschaftlich-theoretisch orientierte Lehrveranstaltungen in seminaristischer Form (keine Massenvorlesungen) enthalten, die eine gute unmittelbare Betreuung durch Professoren und Assistenten erfordern und daher zu relativ kleinen Gruppengrößen von bis zu maximal 30 Teilnehmern führen;
  • forschungsorientierte Seminare mit hohem Betreuungsaufwand durch Professoren, Habilitanden und Juniorprofessoren. Die Gruppengröße sollte daher 10 nicht übersteigen;
  • Übungen in Methoden der empirischen Forschung sowie in quantitativen Techniken (Optimierung und Simulation mit EDV). Da diese Veranstaltungen eine sehr intensive Betreuung - insbesondere durch wissenschaftliche Mitarbeiter - erfordern, ist ebenfalls eine Gruppengröße von 10 anzusetzen;
  • praxisorientierte Fallstudienseminare durch Honorarprofessoren, Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiter mit intensivem Betreuungsaufwand. Hier könnte eine mittlere Gruppengröße von 20 angemessen sein;
  • Seminare zum Training von Schlüsselqualifikationen (Teamarbeit, Präsentationstechniken, Führungstechniken) usw. durch Honorarprofessoren, Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiter. Der erforderliche Betreuungsaufwand lässt auch hier eine Gruppengröße von bis zu 20 angemessen erscheinen;
  • Vertiefende Lehrveranstaltungen in zwei Fremdsprachen. Für diese könnten Gruppengrößen bis zu 20 Teilnehmern vorgesehen werden.

Der Gesamtumfang des drei- oder viersemestrigen Studiums könnte sich auf 36-44 SWS plus Master-Thesis erstrecken.

Im Hinblick auf die fachliche Gestaltung könnte man sich einen Theorieteil für Wirtschaftswissenschaft (BWL und VWL u.U. integriert) einen Methodenteil (Mathematik, Statistik, Methoden der BWL, Methoden der VWL) und zwei Spezielle BWLn vorstellen.

Damit könnte sich ein Aufbau wie etwa der folgende ergeben:


SWSGruppengröße
Theorie der Wirtschaftswissenschaften 6 30
Forschungsseminar 410
Methoden der Wirtschaftswissenschaften
Übung empirischer Methoden 4 10
Übung quantitativer Methoden 410
Schlüsselqualifikationen 420
1. Spezielle BWL
Lehrveranstaltung 430
Fallstudien 220
Übungen 210
2. Spezielle BWL
Lehrveranstaltung 430
Fallstudien 220
Übungen 210
Master-TheseÄquivalent zu 20 SWS
Summe58

Bei dem engen Betreuungsverhältnis erscheinen mündliche Prüfungen nicht systemgerecht. Deshalb kann auf sie im Master-Studium verzichtet werden. Die Beiträge zur Diskussion in den Veranstaltungen können in die Note der Veranstaltung eingehen.

4. Paralleles Angebot von BA- und MA-Studiengängen oder Ablösung der Diplom-Studiengänge auf breiter Front?

Sollen die Fakultäten die neuen Studiengänge für einige Zeit parallel zu den traditionellen Diplomstudiengängen anbieten, oder sollen sie ab einem bestimmten Zeitpunkt die Diplomstudiengänge ersatzlos streichen?

Die in der AG "BA- und MA-Studiengänge" vertretenen Fakultäten, worunter sich die größten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten Deutschlands befinden, haben sich einhellig für die zweite Version ausgesprochen. Sie sind dabei von der Überlegung ausgegangen, dass ein paralleles Angebot die unter einer beträchtlichen Überlast leidenden Fakultäten überfordern würden. Diese wären gezwungen, möglichst viele Veranstaltungen sowohl für Diplom- als auch für BA- und MA-Studiengänge zu nutzen, was die wünschenswerte grundlegende Neukonzeption von BA- und MA-Studiengängen verhindern würde. Eine Modularisierung des Diplomstudiengangs ist bei den für BWL geltenden Curricular-Normwerten mit den daraus folgenden Studentenzahlen unter Berücksichtigung der für andere Fächer zu erbringenden Dienstleistungen nicht realisierbar.

Das Argument, dass der Arbeitsmarkt Gelegenheit erhalten müsste, zwischen den verschiedenen Ausbildungstypen zu wählen, kann nicht recht überzeugen. Zunächst sind die Entwicklungen über eine Zeit von unter 10 Jahren nicht sehr aussagefähig, um eindeutige Marktsignale über ein derart komplexes Vertrauensgut wie universitäre Ausbildungsgänge zu erhalten. Zum anderen ist damit zu rechnen, dass Arbeitgeber, wenn sie die Wahl haben, aus Unsicherheit zu den vertrauten Abschlüssen tendieren. Die von diesem Verhalten ausgehenden Marktsignale könnten wiederum Studienbewerber dazu veranlassen, ein Diplom bzw. einen Master-Abschluss anzustreben. Die Qualität des BA-Studiums könnte sich erst gar nicht beweisen; dieser Studiengang wäre diskreditiert, bevor die Absolventen ihre Leistungsfähigkeit auf breiterer Basis hätten unter Beweis stellen können. Nur eine totale Umstellung bringt Arbeitgeber dazu, sich mit den neuen Studiengängen und den Einsatzmöglichkeiten ihrer Absolventen gründlich auseinander zu setzen Dafür sprechen auch die negativen Erfahrungen mit der Aufnahme von Absolventen der (kurzen) D1-Studiengänge von Gesamthochsculen sowie mir dem 4-semestrigen Baccalaureat-Studium der Universität Augsburg auf dem Arbeitsmarkt. .

Die Diskussion in der Arbeitsgruppe hat gezeigt, dass die Bereitschaft der Fakultäten zu einer Umstellung ganz entscheidend von der Berechtigung, Bewerber für BA- und MA-Studiengänge selbst auswählen zu können, und von den für diese Studiengänge festgelegten CNWn abhängt.