Benoit, Bertrand; J2EE; .NET: SAP kündigt Microsoft die Freundschaft auf , in: Financial Times Deutschland vom 30.10.2001, Financial Times Deutschland 2001.

THEMES: Benoit, Bertrand | J2EE | .NET
META STRUCTURES: J2EE vs. .NET
YEAR: 2001
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LABEL: J2EE | .NET
THINGS: comparison
TIME: 2001
 
Aus der FTD vom 30.10.2001
SAP kündigt Microsoft die Freundschaft auf
Von Bertrand Benoit, Frankfurt

Europas größtes Softwarehaus, SAP, ist drauf und dran, sich im Kampf zwischen Microsoft und Sun Microsystems auf die Seite von Sun zu schlagen.

Es geht darum, ob Unternehmenssoftware künftig in der Programmiersprache "Java" entwickelt wird oder in der Konkurrenzsprache "Dotnet" von Microsoft. Java ist ein Produkt von Sun. SAP-Chef Hasso Plattner wird in der kommenden Woche wohl bekannt geben, dass SAP-Software in Zukunft auf Grundlage von J2EE erstellt wird, einer Entwicklungsplattform für Unternehmenssoftware. J2EE stammt von Sun und beruht auf Java, das unter anderem auch von IBM favorisiert wird. Ein Sprecher von SAP lehnte es ab, sich zu den Plänen zu äußern.

Software von SAP läuft auf vielen Unternehmensrechnern, weshalb Plattners Schritt für Microsoft ein Rückschlag ist. Microsoft versucht, seinen Erfolg mit Windows bei den PC-Betriebssystemen bei den Unternehmensanwendungen zu wiederholen. Java ist die am weitesten verbreitete Programmiergrundlage, wenn es um Unternehmensanwendungen geht. Microsoft hat mit Dotnet allerdings rasch aufgeholt.

Die Programme von SAP beruhen bislang auf einer eigenen Plattform, über die Anwendungen mit Datenbanken kommunizieren. Die Kunden wünschen jedoch zunehmend, dass SAP einen allgemein anerkannten Standard übernimmt.

Geduld verloren

Noch vor zwei Monaten hatte SAP gehofft, eine Plattform zu entwickeln, die zu Java- und Dotnet kompatibel ist. Schließlich verlor der Vorstand jedoch die Geduld mit Microsoft, weil es sich einer solchen Lösung entgegenstellt.

Durch die aktuelle Entscheidung könnte es zu einer weiteren Verschlechterung in den gespannten Beziehungen zwischen SAP und Microsoft kommen.

Die Entscheidung von SAP dürfte sich auch auf den Juniorpartner Commerce One auswirken, an dem SAP über 20 Prozent der Anteile hält. Commerce One hat bisher Software auf Java- und Dotnet-Basis entwickelt. Das Java-Wissen könnte nun für SAP wertvoll sein. Commerce One entwickelt Software zum Betrieb von Onlinebörsen und hat stark unter rückläufigen Investitionen in der Informationstechnologie zu leiden. Dadurch wird auch das Ergebnis von Anteilseigner SAP belastet.

© 2001 Financial Times Deutschland

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