Weber, Volker: Buchkritik zu Lotus Notes, c' t 12/96 S.388 1996.

THEMES: Weber, Volker
YEAR: 1996
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User: Anonymous


TIME: 1996
 

Jens Dennig, Klaus Gutperlet, Eike Rosenow

Lotus Notes R4 das Kompendium

Einführung - Arbeitsbuch - Nachschlagewerk
Haar bei München 1996
Markt und Technik
696 Seiten
99,95 DM
ISBN 3-8272-5105-2

Zwei Lotus-Mitarbeiter und ein freischaffender Notes-Berater haben sich zu diesem Buch zusammengefunden, um auf ganzer Breite über Notes zu informieren. In seiner kompakten Darstellung spricht das Kompendium eher Administratoren und Entwickler als 'Nur-Anwender' an.

Das Buch besteht aus insgesamt vier Teilen. Der erste beschäftigt sich mit der Bedienung von Notes, der zweite behandelt die Planung einer Notes-Installation. Im dritten Teil geht es um die Administration und im vierten schließlich um die Entwicklung von Notes-Anwendungen. Dieser vierte Teil nimmt mit seiner Aufzählung aller Funktionen und Klassen beinahe die Hälfte des Buches unter Beschlag.

Am ersten Teil ist nichts auszusetzen. Ohne jede Weitschweifigkeit kommen die Autoren unmittelbar zur Sache, ohne andererseits Vorkenntnisse vorauszusetzen. Auf diese Weise erlangt jeder Notes-Neuling die wichtigsten Handfertigkeiten.

Den zweiten Teil des Buches sollte man sich möglichst vor der ersten Notes-lnstallation zu Gemüte führen. Die Autoren betrachten hier vor allem die hakeligen Zertifizierungen und die Gestaltungsspielräume bei der Planung von Notes-Domänen Für die Dokumentation schlagen die Autoren einige Formulare vor, die sich auf der mitgelieferten CD als Visio-Dateien wiederfinden. Der Übergang zum dritten Teil, der die Administration von Notes-Systemen behandelt, ist beinahe willkürlich. Jeder Administrator benötigt ohnehin die Kenntnis des zweiten Teils.

Der vierte Teil fällt gegenüber den ersten Teilen etwas ab; die Autoren haben es sich mit einer alphabetischen Auflistung der Funktionen zu leicht gemacht. Die Einführung in die Anwendungsentwicklung nimmt gerade einmal gut 50 Seiten in Anspruch. Daran schließen sich 300 Seiten Funktions- und Klassenreferenz an. Eine alphabetische Funktionsaufzählung aber bringt wenig; das leistet bereits die Notes-Online-Hilfe. Statt einer riesigen Referenz wünscht man sich eher einen umfangreicheren Leitfaden sowie Problemlösungen und Gestaltungsempfehlungen.

Mit seiner klaren Gliederung eignet sich das Kompendium gut zum Nachschlagen und selektiven Lesen. Dennoch sollte man die ersten drei Teile unbedingt durchlesen, bevor man sich an eine größere Notes lnstallation wagt. Nach diesen drei Abschnittten hätte das Buch ruhig enden können. Die Anwendungsentwicklung hat mehr verdient und gehört eher in ein eigenes Buch.

Die mitgelieferte CD enthält ein ganzes Sammelsurium von Software und Dokumenten. Da findet sich etwa ein Acrobat Reader nebst passender Lotus-Dokumente, eine Sammlung von Icons in unterschiedlichsten Dateiformaten sowie eine Reihe von Movies in Screencam-, AVI- und Quicktime-Formaten. Die mitgelieferten Demoversionen terminieren alle am 31. 12. 1996 und füllen damit unnötig die CD. Zwischen all den lieblos zusammengewürfelten Verzeichnissen geht dabei beinahe ein kleines Schmankerl unter. Im Verzeichnis 'Texte' befindet sich nämlich ein Acrobat-Dokument namens Final.pdf. Darin enthalten ist ein 268seitiges Redbook des IBM Technical Support Center, das IBM normalerweise als Redbook SG24-4618-00 verkauft. Der Titel: 'Developing Applications with Lotus Notes Release 4'. Die Suche hat sich gelohnt. (db)

Volker Weber

Markus Dierker, Martin Sander

Lotus Notes 4.x

Arbeiten im Team
Bonn 1996
Addison-Wesley
600 Seiten
79,90 DM
ISBN 3-89319-899-7

Deutsche Bücher über Lotus Notes sind ziemlich rar gesät, insbesondere bei Notes 4 herrscht noch Ebbe. Das neue Buch von Markus Dierker und Martin Sander macht deshalb neugierig. Erklärtes Zielpublikum der Autoren sind interessierte Anwender. Es wendet sich weder an Administratoren noch an Entwickler. Wohlgemerkt - auch diese sollten selbstverständlich die Themen dieses Buches verinnerlicht haben, werden aber wohl für das eigene Arbeitsgebiet wenig Brauchbares finden.

Auch wenn Dierker und Sander im Vorwort einen starken Praxisbezug ankündigen, geben sie sich zunächst sehr weitschweifig. Erst auf Seite 175 beginnt das Kapitel 'Erste Schritte'. Davor legen sie zunächst theoretische Grundlagen, wobei sie dem Leser schon einmal sechs Seiten ohne Abbildungen zumuten. Es heißt also: lesen, lesen, lesen. Entsprechend viel Zeit sollte man sich nehmen, um das Buch von vorne bis hinten durchzuarbeiten.

Nach knapp einem Drittel geht es dann zur Sache. Auf etwa 250 Seiten erfährt der Anwender alles, was er für die tägliche Nutzung von Notes gebrauchen kann. Dabei stehen der Umgang mit Datenbanken, Ansichten, Ordnern und Dokumenten sowie die Verwendung von Notes Mail im Vordergrund. Mobile Nutzung, Replikation und die verschiedensten Möglichkeiten zur Sicherung von Informationen in Notes-Datenbanken wenden sich vor allem an Laptop-Benutzer. Zwei Abschnitte über die Eigenentwicklung von Notes-Agenten und den Web-Navigator schließlich zeigen zwei nützliche Neuerungen von Notes 4.x.

Auf den letzten 150 Seiten gibt es eine Einführung in die Anwendungsentwicklung, die anhand einer kleinen mitgelieferten Notes-Anwendung erläutert wird. Dieses sehr simple Programm befindet sich zusammen mit einer weit nützlicheren Office-Anwendung namens OfficeForce und einigen Informationen über 'Lotus Business Partner' auf einer mitgelieferten CD. OfficeForce ist für die persönliche Nutzung ohne weitere Kosten lizenziert. Für eine kommerzielle Verwendung bedingen sich Dierker und Sander jedoch eine gesonderte Vereinbarungen aus.

Die Autoren studieren an der Universität Paderborn, eine der Notes-Hochburgen in Deutschland. Das scheint aufs erste Drittel des Buches abgefärbt zu haben. Man fühlt sich in einer überdimensionalen Seminararbeit, in der auch mal über das papierlose Büro und die Bedeutung des World Wide Web philosophiert wird. Das tut der Nützlichkeit des Buches aber keinen Abbruch. Neben der reinen Notes-Bedienung informieren die Autoren auch ein wenig über die dahinterstehende Technik. Insgesamt haben sie die Ansprüche der gewählten Zielgruppe sehr gut getroffen. Wer dieses Buch von A bis Z durcharbeitet, dürfte sich danach zu Recht als 'Power-User' fühlen. (db)

Volker Weber